NOTRUF und Frauenhaus kaufen GEWALTig ein
Gemeinschaftsaktion zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen
Lautstark, mit Einkaufswägen und Handzetteln „bewaffnet“ zogen am 25.11.2008, dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, Mitarbeiterinnen von NOTRUF und Beratung e. V. und dem Autonomen Frauenhaus Regensburg durch die Altstadt. Mit dem Slogan „Einkaufen ist etwas Alltägliches. Gewalt gegen Frauen auch!“ machten sie auf das gesellschaftliche Tabu-Thema aufmerksam.
Der Einkaufswagen hatte dabei zweifachen Symbolcharakter.
Zum einen ist das Erleben sowohl sexualisierter als auch körperlicher Gewalt für viele Frauen so alltäglich, wie für andere der Großeinkauf bei Aldi & Co. Dabei spiegeln nicht nur das blaue Auge und der sexuelle Missbrauch durch einen nahen Verwandten, sondern auch psychische Gewalt in Form von Beschimpfungen, Drohanrufen oder der permanenten Mediendarstellung der Frau als Sexualobjekt die breite Gewaltpalette wider.
Zum anderen ist nicht nur der Moment der Gewalteinwirkung, sondern vor allem auch die Aufarbeitung der Übergriffe, ein oft jahrelanger Prozess, der den Alltag betroffener Frauen maßgeblich bestimmt. Bildlich bedeutet das, dass sie den randvoll mit Angst, Schmerz oder Scham gefüllten Einkaufswagen vor sich herschieben und zwar ohne die Möglichkeit, ihn einfach wieder zurück geben oder irgendwo abstellen zu können. Doch es gibt durchaus vielfältige Unterstützungsmöglichkeiten – wenn auch nicht Supermarkt um die Ecke.
Neben Beratung, Therapie und dem Austausch in Selbsthilfegruppen, kann zum Beispiel kreatives Schreiben ein Moment der Gewaltbewältigung sein. Prosa oder Gedichte bringen die inneren Gefühle zum Ausdruck und unterstützen Frauen darin, Veränderung zu wagen. Auf der Rückseite der verteilten Handzettel, standen deshalb Gedichte von Betroffenen. Diese sollten Passanten in der Fußgängerzone einen Einblick in das Gefühlsleben nach erfahrener Gewalt geben und zudem betroffenen Frauen, Angehörigen sowie Freunden und Multiplikatorinnen Mut machen, sich Unterstützung zu holen.
Hilfe und Beratung gibt es bei den veranstaltenden Organisationen. Mit verschiedenen Hilfsangeboten wird individuell auf die Problemlagen der Frauen eingegangen.
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Bei sexualisierter Gewalt unterstützt der NOTRUF und Beratung e.V., Beratungs- und Fachzentrum gegen sexualisierte Gewalt an Mädchen und Frauen. Tel. 0941/ 24 171
- Kontaktstelle für Frauen und Kinder, die Opfer körperlicher und psychischer Gewalt werden, ist das Autonome Frauenhaus, Frauen helfen Frauen e.V. Tel. 0941/ 24 000.
Der 25. November ist seit 1999 von den vereinten Nationen offiziell als internationaler Gedenktag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen und Mädchen anerkannt. Er geht zurück auf die Ermordung der drei Schwestern Mirabal. Sie wurden 1960 vom militärischen Geheimdienst der Dominikanischen Republik unter dem Diktator Trujillo verschleppt, vergewaltigt und nach monatelanger Folter am 25. November getötet. Seit 1981 wird weltweit durch Aktionen von Frauenprojekten und Initiativen auf diesen Tag aufmerksam gemacht.
Dogma
Ich wünschte, wir hätten einen Raum,
den kein Täter betreten darf,
keiner, der Täter sein könnte.
Wie soll ich sehen,
ob einer ein Täter ist
oder nicht,
wächst doch keinem ein Geschwür auf der Stirn.
Ich wünschte, wir hätten einen Raum
für unsere Gefühle, unseren Schmerz, über unsere tote
Kindheit zu weinen.
Von Gisela
Quelle:
Wildwasser e. V. (1992): Namenlos. Schriftenreihe zur Selbsthilfe.
Leichen im Keller
Leichen im Keller
Vergewaltigt!
Halt still!
Ein Makel!
Ab in den Keller!
Verbuddeln,
Vergessen,
Verdrängen.
Tür zu!
Abschließen.
Schlüssel wegwerfen.
Keinen rauslassen.
Das Haus lüften,
Tee trinken,
Durchatmen,
Mutig sein.
Sich Hilfe holen?
Keller zubetonieren?
Frieden schließen.
Neuanfang.
Und immer wieder
Lüften.
von K.B. Lessing
Quelle:
Frauen für Frauen e. V. ( 2004): Jetzt kann ich wieder Lachen.